„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)

Erkenntnisethik

Positives Denken ist keine Sache des Denkens selbst. Denken ist vom Prinzip her immer negativ, d.h. es setzt sich von der Realität ab, es abstrahiert von ihr, so daß die Realität im Denken über sie abwesend ist. Gerade in seiner Zuwendung zur Realität stößt das Denken diese Realität von sich ab und setzt sie sich gegenüber.

Insofern beinhaltet ‚positives‘ Denken, das sich in einem Denkakt zu begründen versucht, immer eine doppelte Negation: nicht negatives Denken sein zu wollen. In diesem Fall wird aber aus der doppelten Negation keineswegs etwas Positives.

Positives Denken ist deshalb immer eine Sache der Intuition, also eines vom Denken unabhängigen Geschehens. Das Positive widerfährt dem Denken; es geschieht ihm. Es ist dem Denken immer äußerlich, sein Anlaß, nicht sein Grund. Ethisches Denken, im Sinne einer Erkenntnisethik, erweist sich daran, inwiefern das Denken in seinen Gründen seinem Anlaß, von dem es seinen Ausgang nahm, treu zu bleiben vermag.

Letztlich ist Erkenntnisethik also nichts anderes als das, was Buddhisten ‚Achtsamkeit‘ nennen: ein aufmerksames Achtgeben darauf, was sich uns zu denken gibt.

(Vgl. auch meine Posts zum „Denken in Bildern“ und zum „Denken und Glauben“)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen